Multi-perspektivische Modellierung nachhaltiger industrieller Wertschöpfung

Geschäftsprozessmodellierung wird vielfach eingesetzt, um beispielsweise Produktionsabläufe zu planen oder IT-Systeme in Unternehmen und Wertschöpfungsnetzen einzuführen. Dabei werden hauptsächlich ökonomische Bewertungsmaßstäbe wie Kosten und Durchlaufzeit zur Planung eingesetzt. Zukünftig werden im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung jedoch auch die soziale und ökologische Dimension immer bedeutender. Beispielsweise müssen in der Auslegung von Produktions- und Managementprozessen Faktoren wie „humane Arbeitsbedingungen“ sowie die Vermeidung von Emissionen, Abfällen und Energieeinsparung berücksichtigt werden.
Das Teilprojekt „Multi-perspective modelling of sustainable industrial value creation“ (zu Deutsch: Multi-perspektivische Modellierung nachhaltiger industrieller Wertschöpfung) des Sonderforschungsbereichs „Sustainable Manufacturing“ nimmt sich dieser Problematik an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln Methoden und Werkzeuge, mit denen Unternehmensprozesse hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit bewerten und analysiert werden können. Damit bekommt der Planer bzw. Nutzer eine Aussage darüber, wie nachhaltig seine aktuellen Betriebsabläufe sind, und kann diese gemäß den Unternehmenszielen umgestalten. Durch praktische Anwendung in mehreren Unternehmen wird die Alltagstauglichkeit von Methode und Werkzeug überprüft und ein Referenzmodell zur Unterstützung abgeleitet.

Ergebnisse:

Für die Entwicklung einer Methode und eines Rahmenwerks zur Beschreibung, Analyse und Kommunikation der Nachhaltigkeit in Unternehmensprozessen, war es zunächst notwendig zu erfahren welche Informationen darzustellen und auszuwerten sind. Daher wurden ausgewählte Anwendungsfälle zu nachhaltigen Fabriken und Wertschöpfungsnetzwerken betrachtet, um die notwendigen Aspekte für den Entwurf und die Planung nachhaltiger Unternehmen abzuleiten. Um die wichtigsten Aspekte bei der Nutzung von Unternehmensmodellen als gemeinsames Rückgrat für die verschiedenen Managementdisziplinen zu identifizieren, wurden die Integrierte Unternehmensmodellierung (IUM) und das zugehörige Werkzeug MO²GO zur Erstellung der Anwendungsfallmodelle genutzt. Auf Grundlage der Unternehmensmodelle wurden z.B. alle Energie- und Materialverbräuche entlang der Prozesse zugeordnet. Die Anwendungsbeispiele haben gezeigt, dass eine gemeinsame Verwendung von beispielsweise Energie- und Ressourceneffizienzanalysen und Unternehmensmodellen zu einem gesteigerten Wert führen, verglichen mit deren separater Nutzung. Zum Beispiel ermöglicht die Beschreibung der energie- und ressourcenrelevanten Inhalte im Zusammenhang mit dem Personal oder der Infrastruktur eine Queranalyse welche Infrastrukturobjekte welchen Energieverbrauch verursachen. Die Erfahrungen aus den Anwendungsfällen und die Betrachtung existierender Systeme für Nachhaltigkeitsindikatoren führten zu einem ersten Referenzmodell für die multiperspektivische Modellierung. Um den Nutzer im Entscheidungsfindungsprozess für eine nachhaltige Unternehmensgestaltung zu bestärken, wurden eine Methode und ein Werkzeug entwickelt, welches die Unternehmensprozesse für die verschiedenen Managementdisziplinen zugänglich macht. Im Rahmen dieses Ansatzes wurden spezifische Nachhaltigkeitsindikatoren in das IUM-Modell integriert und mit den zugehörigen Unternehmenszielen als auch Modellelementen (z.B. Prozessschritte, Maschinen, Produkte oder Gebäude) in Verbindung gesetzt. Auf der Grundlage dieses erweiterten Modells können verschiedene Auswertungen und Ursache-Wirkungsanalysen durchgeführt werden. Der Ansatz kann auch zur Bewertung von ganzen Wertschöpfungsnetzen verwendet werden. Hierzu nutzen die Partner eines solchen Netzwerks ein abgestimmtes Indikatorset in den individuellen Unternehmensmodellen, um sicherzustellen, dass netzwerkrelevante Informationen für die Gestaltung und Bewertung verfügbar sind. Im ersten Schritt, werden alle relevanten Daten, wie Nachhaltigkeitsindikatoren, Datenquellen und Unternehmensziele gesammelt und mit dem Unternehmensmodell in Beziehung gesetzt. Im zweiten Schritt werden spezifische Modellauswertungen unter Nachhaltigkeitsaspekten konfiguriert und im Prozessassistenten, einem web-basierten Prozessmanagementwerkzeug, zusammenfassend in multi-perspektivischen „Cockpit-Views“ dargestellt.
Mehr zu Herausforderungen, Ansätzen und Ergebnissen von Projekt C2 finden Sie in dieser Powerpoint-Präsentation