Nachhaltige Produktion

Die Ressourcen unserer Erde sind begrenzt. Bei einer Weltbevölkerung von heute mehr als 7 Mrd. Menschen – für 2050 werden etwa 9,5 Mrd. prognostiziert – gehören weniger als 1 Mrd. Menschen zur früh-industrialisierten Welt in Europa, Nordamerika, Japan, Süd-Korea, Australien und wenigen weiteren Inseln des Wohlstands. China mit 1,3 Mrd. und Indien mit 1,2 Mrd. Menschen, aber auch weitere Entwicklungs- und Schwellenländer, bemühen sich, zu dieser industrialisierten Welt aufzuschließen.

Wird die Lebenswelt dieser aufstrebenden Nationen durch die gegenwärtig vorherrschenden Technologien der Industrieländer geprägt, so steigt der globale Ressourcenverbrauch über jedes ökologisch, ökonomisch und sozial verantwortbare Maß.

Es ergibt sich die Frage, welche Produktionstechnologien zur Bewältigung dieser Wachstumsraten im ökonomisch, ökologisch und sozial gebotenen Rahmen zugrunde liegen dürfen. Mit der Hypothese nachhaltiger industrieller Wertschöpfungsnetze stellt sich der Sonderforschungsbereich (SFB) 1026 „Sustainable Manufacturing – Shaping Global Value Creation“ der globalen Nachhaltigkeitsherausforderung aus einer produktionswissenschaftlichen Perspektive.

Ökologisch: Unabhängig von der genauen Reichweite, in der uns neu erschlossene, nicht nachwachsende Rohstoffe noch zur Verfügung stehen, ist es allein wegen der steigenden materiellen Bedürfnisse der Menschheit geboten, nicht regenerierbare Ressourcen nicht mehr zu deponieren, sondern in Kreisläufen aufeinander folgender Anpassungs- und Nutzungsphasen zu bewirtschaften. Auch dürfen wir nicht mehr nachwachsende Rohstoffe verbrauchen, als im natürlichen Kreislauf regeneriert werden können.

Ökonomisch: Die vorherrschende Bindung an den (kurzfristigen) ökonomischen Erfolg im marktwirtschaftlichen Wettbewerb erschwert es Unternehmern, Prinzipien umzusetzen, nach denen die Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung wahrzunehmen ist. Aktuelle Diskussionen über Corporate Social Responsibility und die zunehmende Berichterstattung über Nachhaltigkeitsindikatoren in multinationalen Unternehmen zeigen, dass neben wirtschaftlichem Wettbewerb weitere Triebfaktoren für die Führung von Unternehmen und anderen gesellschaftlichen Institutionen existieren. Das ökonomische Paradigma des Produktverkaufs mit Profitgenerierung über Kostensenkung durch große Stückzahlen wird herausgefordert durch die Bereitstellung von Funktionalität am Ort und zur Zeit des Bedarfs in der geforderten Spezifikation.

Sozial: Weitere Herausforderungen stellen die gerechte Verteilung und der Zugang zu Ressourcen, Wohlstand, Rechten, Pflichten, Einfluss- und Wahlmöglichkeiten dar. Die Hälfte der Weltbevölkerung muss heute mit weniger als zwei US-Dollar am Tag, ohne Telefon und ohne elektrischen Strom auskommen. Ein Fünftel der Menschheit verfügt über mehr als vier Fünftel des globalen Wohlstands, während über 140 Millionen Kinder hungern. Auch in den früh-industrialisierten Ländern der OECD liegen z. B. Ungleichheiten bei der Entlohnung von Frauen vor. Der Zugang zur Bildung korreliert in vielen Ländern mit der sozialen Herkunft der Menschen.

Produktionstechnik im weitesten Sinn bestimmt das Verhältnis zwischen Nutzen und dem dazu erforderlichen Ressourceneinsatz. Hierzu bedarf es neuer Herstellungsprozesse und Produkte, erhöhter Nutzungsintensität der Ressourcen und Artefakte sowie eines kreislaufwirtschaftlichen Lebenszyklusmanagements.

In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten interdisziplinären Großprojekt entwickeln rund 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nachhaltige Produktionstechnologien und -strategien. Das Ziel: Größerer Wohlstand für mehr Menschen bei weniger Ressourcenverbrauch.

Beteiligte Institutionen des SFB 1026: